Fuchs


Foto: Fennec Fox, Flickr

Ein Fuchs betrachtete bei Sonnenaufgang seinen Schatten und sprach: „Heute Mittag will ich ein Kamel verschlingen“. Den ganzen Morgen suchte er nach Kamelen.
Am Mittag betrachtete er wiederum seinen Schatten und sprach: „Eine Maus wird auch genügen.“

Khalil Gibran „Der Narr“

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Tagores Prophezeiung


Foto: fotopoetry (Ganapatipule, India)

    Aus Gitanjali geschrieben von Rabindranath Tagore

    An den Küsten von Bharat,
    Wo die Menschen aller Nationen zusammenkommen,
    Erwache mein Herz!
    Mit erhobenen Händen
    Schicke ich meine Hochachtung dem Gott der Menschheit,
    Und mit einer feierlichen Stimme
    Singe ich über seine Herrlichkeit.
    Dem Ruf, von dem keiner weiss, von wem er erscholl,
    Folgen unzählige Ströme von Menschen
    Und vereinigen sich im Meer vom Bharat.
    Die Arier, die Nicht-Arier, die Draviden,
    Die Hunnen, die Pathans, und die Mogulen-
    Sie alle haben sich zu einem Körper vereinigt.
    Heute hat der Westen seine Tore geöffnet,
    Und von dort kommen Gaben.
    Geben und nehmen,
    Alles ist willkommen an den Küsten von Bharat,
    Wo Menschen aller Rassen zusammengekommen sind.

    In diesem Feuer
    Ist die blutende Flamme des Leidens verglüht.
    Ertrage diese Entsagungen
    Und höre den Ruf dieses Einen.
    Überwinde alle Furcht, alle Ängste.
    Und lass all die ertragene Demütigung vergessen.
    Was für ein grossartiges Leben wird entstehen
    Am Ende der Tage des Leidens.
    Die Nacht endet,
    Die grosse Mutter ist erwacht
    an den Küsten von Bharat,
    Wo die Menschen aller Rassen zusammengekommen sind.

    Komme, oh Arier und Nicht-Arier,
    Hindu und Moslem,
    Komme, oh Engländer und Du Christ,
    Komme, oh Brahmin,
    Reinigt Eurer Inneres und klatscht freudig die Hände,
    Komme, oh Unterdrückter,
    Und lass alle Bürden der Demütigung vergessen,
    Zögert nicht, sondern kommt alle,
    Um die Mutter zu salben
    an der Küste von Bharat,
    Wo die Menschen aller Rassen zusammengekommen sind.

Sturm über Wien

So ein Sturm ist in Wien wirklich selten. Das Wetter hier ist eher lau. Doch dieses Mal mitten im Sommer fiel Hagel vom Himmel mit solcher Intensität, dass fast alle meine Nachbarn auf ihre Balkons rausgekommen sind um dieses Schauspiel der Natur staunend zu beobachten.
Der Hagel hatte die Grösse von kleinen Steinen.

Am nächsten Tag wiederholte sich das ganze, nur diesmal war es eher Regen als Hagel. Der Regen und Wind peitschten die Strassen regelrecht durch.

Paar Freunde von uns wollten, dass wir sie auf die Fanmeile begleiten um den Metsch Türkei – Deutschland zu schauen. Das wäre sicher lustig! Und man konnte tolle Bilder schiessen. Aber andererseits weiss ich nicht welche Kamera solche Wolkenbrüche überstanden hätte 😉

Ich liebe Unwetter! die Urgewalt der Natur zu spüren ist grossartig. Es hat etwas Reinigendes und man wird sich wieder bewusst wie klein die Menschen sind und dass sie ein Teil dieser Natur sind und über sie nicht herrschen können

Gute Nachrede


TADAHIRO UESUGI

Einmal fuhr ich mit dem Zug durch Polen. In meinem Abtei sassen zwei Mädchen und unterhielten sich über ihr Studium. Eine erzählte über ihre letzte Prüfung bei einem alten anscheinend sehr gefürchteten Professor (vielleicht einer jener Sorte, die meinen nur der Gott schafft einen einser, der Prof einen zweier und der beste Student höhstens einen dreier).

Jedenfalls hörte sie wie ihre Vorgängerin ihre Prüfung ablegte und bekam mit, dass sie einen zweier gekriegt hat. Dann kam sie dran und der Prof wollte ihr einen dreier geben.
„Beim ganzen Respekt – lieber Herr Professor“ sagte sie zu ihm „ich finde ihre Benotung ungerecht“.
Ich beendete ihre Ausführungen in Gedanken: warum hat die vor mir eine bessere Note bekommen, wo ich doch mindestens genauso gut war bla bla bla…

Aber zu meiner grossen Überraschung sagte sie: warum haben sie dem Mädchen vor mir nur einen zweier gegeben, sie hat ihre Fragen doch perfekt beantworten können, ich finde sie verdient einen glatten einser.

Der Prof lächelte und sagte: Also gut, sie kriegt einen einser und du einen zweier 🙂

Dieses Gespräch hat mich beeindruckt. Um wieviel besser es doch ist Gutes anderen zu wünschen und Gutes über sie zu erzählen!

Indianer Nordamerikas und die Umwelt


Flickr, James Neeley

Es gibt vieles was wir von den nordamerikanischen Indianern über die Umwelt lernen können und lernen müssen, wenn wir in ein paar Jahren noch ein lebenswertes Leben haben wollen.

Ein Ausschnitt aus dem Buch: Der Wind ist meine Mutter“ von Bear Heart…
„Die Beobachtung der Umgebung, des Himmels und der Windbewegungen gab einen Hinweis darauf, wie sich das Wetter entwickelte. Wir waren so sensibel für die Natur, dass wir Regen oder Schnee beinahe riechen konnten, ehe sich noch ein Wölkchen am Himmel zeigte. Alles war eine Frage der Sensibilität gegenüber der Umwelt, und man erwarb die Sensibilität nicht indem man jeden Tag bei einer Tasse Kaffee den Wirtschaftsteil der Zeitung las oder sein Lieblingsprogramm im Fernsehen anschaute.

Heutzutage behindert auch die Luftverschmutzung die Fähigkeit, genaue Wetterprognosen zu treffen. Man stellt die Nachrichten an, und der Meteorologe erzählt, wie der nächste Tag werden wird, doch häufig weicht das Wetter trotz modernster Instrumente von den Vorhersagen ab.“

Die Katze des Rabbiners

Humor ist eine der besten Eigenschaften an den Menschen, schätze ich. Aber Humor ist nicht Humor. Ich glaube, dass er für ein Land sehr spezifisch sein kann.

Der österreichische Humor (den ich sehr mag) zum Beispiel ist etwas morbide und ironisch und er scheint sich nicht besonders mit dem russischen (den ich ebenfalls sehr mag) zu vertragen. Jedenfalls habe ich oft beobachtet, dass Russen einen Witz machen und die Österreicher perplex drein schauen und vice versa.

Die Polen sind sehr empfindlich für Situationskomik. Man schaut sich zusammen eine Sache an und bricht ins Gelächter – ohne ein Wort. Einer dritten Person aber, der sich die Komik der Situation nicht offenbart hat, kann man es unmöglich erklären – meistens jedenfalls.
Ich lag schon mal mit einer Freundin auf dem Boden und wir schnappten vor lauter Lachen verzweifelt nach Luft, weil uns etwas dermassen komisch vorgekommen ist.

Für diese Art von Komik scheinen wiederrum die Franzosen nichts übrig zu haben – zu mindest die Pariser-Franzosen nicht. Ich lebte mal ein Jahr in Paris und hatte dort eine lustige polnische Freundin. Wir zogen oft mit unseren französischen Freunden durch die Gegend und lachten herzhaft über dies oder jenes. Unsere Freunde schauten dann immer befremdet drein und eimal hat mir einer verraten, dass es für sie so ungewohnt war zwei Frauen so herzhaft lachen zu sehen, dass sie sich am Anfang überlegt haben ob wir nicht etwas verrückt sind.

Das machte mich neugierig und ich beobachtete die Frauen ein bisschen und tatsächlich habe ich über das ganze Jahr nie zwei Pariserinnen lachen sehen. Ich muss sagen, dass sich mir der Pariser Humor irgendwie nicht eröffnet hat.

Dafür habe ich in keinem anderen Land so viel gelacht wie in Bosnien! Ach wie ich bereut habe, dass ich nicht alles verstehen kann bzw. dass mir meine Freundin nicht alles 1:1 übersetzen kann. Fast jeder Bosnier, der uns über den Weg gelaufen ist, war ein geborener Entertainer 🙂

Die Brasilianer sind ebenfalls sehr lustige Menschen, dabei sind sie auch sehr scharfsinnige Beobachter des Lebens. Sie haben massenhaf an lustigen Sprüchen die haargenau eine bestimmte Lebenslage beschreiben. Ein Beispiel: wenn jemand sich in einer aussichtslosen Situation befindet sich aber dessen gar nicht bewusst ist und sie noch zu geniessen scheint, sagen sie er ist „wie ein Küken auf einem Misthaufen“. Da haben sie anscheinend beobachtet, dass die Küken sehr viel Spass mit Müll haben können. Ein Misthaufen ist für die kleinen Küken wie ein regelrechter Abenteuerpark.
Diesen Huhn den ich im Supermarket fotografiert hab, finde ich auch sehr witzig:

Und dann gibt es noch den jüdischen Humor, der einfach köstlich ist! Vor ein paar Tagen hat mein Mann ein Komix nach Hause gebracht „Die Katze des Rabbiners“ und ich lachte und lachte. Ganz so nebenbei kann man ziemlich viel über die jüdische Kultur und Tradition erfahren.

Die Katze des Rabbiners ist die lustigste Katze überhaupt. Ich kann jedem nur empfehlen eine Bekanntschaft mit ihr zu machen!