Mit dem Herz eines Löwen durchs Leben schreiten! Ein Erfahrungsbericht aus dem Leben einer Sahaja Yogini

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Foto: Artur Kolakowski

Das erste mal in Indien! Mein Bruder und ich stiegen aus dem Flieger, atmeten tief die sehr ungewöhnliche, fast betörende Luft Bombays ein und nahmen ein Taxi nach Vashi. Der Fahrer raste, fröhlich zu einem Bolywood-song pfeifend, vor sich hin. Vom Bremsen schien er keine große Meinung zu haben. Alles was sich vor uns befand und langsamer war, wurde sofort überholt – der Gegenverkehr schien ihm dabei keine großen Sorgen zu bereiten.  Und das Unvermeidliche geschah: wir überholten gerade, in einer Kurve, ein voll beladenes, riesiges Lkw als wir merkten, dass uns ein anderes Lkw entgegen kommt. Alle so schnell unterwegs wie sie nur konnten – wie es mir schien. Die Strasse war schmal und voller Löcher. „Das wär´s – dachte ich – adieu mein junges Leben, jetzt sehe ich wie es auf der anderen Seite so ausschaut“. Ich kniff die Augen zusammen und wartete…. und wartete….. und wartete. Nichts geschah. „Wahrscheinlich kommt einem der letzte Moment des Lebens immer so ewig lang vor“ – dachte ich. Doch so lang auch wieder nicht! Ich öffnete wieder die Augen und merkte, dass wir gerade ein anderes Auto überholten. Der Fahrer saß entspannt und gut gelaunt da und pfiff weiter als wäre nichts passiert. Ist ihm denn entgangen, dass wir um eine Haaresbreite dem Tod entkommen sind? Wie, ist mir allerdings bis heute nicht ganz klar.

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Foto: Artur Kolakowski

Im Laufe unseres Indienaufenthaltes merkte ich, dass unser erster Fahrer keine lebensmüde Ausnahme war, sondern eher die Regel. Mit der Zeit ließ ich bei solchen Manövern die Augen offen und beobachtete neugierig. Nach allen mir bekannten physikalischen Gesetzen hatten diese Manöver kein Recht sich auszugehen, und doch taten sie das. Jedes Mal. Irgendwie. Alle Beteiligten blieben dabei immer ganz cool und keiner geriet in Panik. Man braucht auch eine gehörige Portion des Urvertrauens in das Leben um in Indien so manche Strasse zu überqueren. Besonders wenn sie 4 oder 5-spurig ist. Man wartet vergeblich bis alle 5 Spuren frei sind. Man muss im steten Tempo vor sich hin schreiten und darauf vertrauen, dass einen jeder bemerkt und keiner überfährt. Was man auf keinen Fall tun sollte ist sich in der Mitte unsicher zu werden oder über physikalische Gesetze nachzudenken.  

Woher nehmen die Inder bloß dieses Urvertrauen? Diese Frage ließ mich nicht in Ruhe. Anfänglich schien mir das ganze auch nicht einleuchtend. Die ökonomische Situation ist dort viel unstabiler als in Österreich, es gibt kein dem österreichischen vergleichbares soziales Netz, das einen auffängt, Pensionsvorsorge usw. Eigentlich sollten die Menschen im Westen viel mehr von dieser Sicherheit haben als die Inder. Und doch ist es umgekehrt.  Doch dann fiel es mir auf wie die Menschen in Indien mit Kindern umgehen und alles ergab wieder einen Sinn. Die Kinder sind der Mittelpunkt des Lebens. Sie werden von allen sehr geliebt und von niemandem verwöhnt. Nach Sahaja Yoga ist der Sitz der inneren Sicherheit das mittlere Herz (Center Heart). Innerhalb der ersten 10 Lebensjahre werden Antikörper (Sanskrit: Ganas) gebildet, die einem Mut, Vertrauen und eine starke, selbstbewusste Persönlichkeit verleihen. Deswegen ist es für kleine Kinder besonders wichtig, dass sie in Harmonie und Zufriedenheit aufwachsen. Das kann den Lauf ihres ganzen Lebens bestimmen. Später ist es schwierig dieses Manko auszugleichen. In der Meditation ist es allerdings möglich auch im Erwachsenenalter neue Antikörper zu bilden, die das Center Heart stärken. 

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Foto: Artur Kolakowski

Und so lernte ich in Indien, dass die innere Sicherheit nicht so viel mit äußeren Umständen zu tun hat, sondern viel mehr mit dem inneren Zustand.Indien ist ein wunderbares Land wenn man sich ihm hingibt, ein unglaublich mütterliches Land. Man fühlt sich nach einiger Zeit wie ein Baby – beschützt, behütet und rundum wohl. Die Gesichtszüge werden dort weicher und man wird viel entspannter. Als ich nach 4 Monaten Indien wieder nach Österreich zurückkehrte, erlebte ich den berühmten „Kulturschock“.  

india-children.jpg Foto: Divyesh Sejpal

Indianer Nordamerikas – Erleuchtete Krieger und universelle Liebe

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Es gibt kaum ein anderes Volk, das die Qualitäten des Visshudis so gut entwickelt hat wie die Indianer Nordamerikas. Sie hatten viele Realisierte Seelen als Häuptlinge und Shri Mataji erwähnte einmal, dass sie kurz vor der Kollektiven Selbstverwirklichung standen, bevor sich Kolumbus nach Amerika verirrt hat. 

Man sagt, dass ein Chakra so viele Aspekte hat wie viele Blütenblätter vorhanden sind. Visshudi hat 16. Es sind also sehr viele Eigenschaften mit denen uns ein gut funktionierendes Visshudi beschenkt. Es macht uns unter anderem zu kollektiven und universellen Persönlichkeiten. Eine universelle Person kann man nicht in Schubladen mit der Aufschrift: „mein Land“, „mein Kind“, „mein dies und mein jenes“ stecken. Sie wird sich genauso um das Wohlergehen „ihres“ Landes wie jedes Anderen bemühen, genauso das eigene Kind lieben wie alle anderen Kinder. Universelle Menschen sehen sehr klar, dass alles ein Teil eines größeren Ganzen ist und haben immer das Ganze im Auge. Man stelle sich einen Engel vor, der einen Raum mit schlafenden Kindern betritt und nur eins davon zudeckt. Seltsame Vorstellung. Auch wir sind ein Teil des Ganzen. Wenn wir zum Nachteil anderer handeln oder gegen die Natur, handeln wir auch gegen uns selbst. 

Ein Indianer namens Bear Heart beschreibt die universelle Liebe in seinem Buch: „Der Wind ist meine Mutter“ so:

 „Im Jahre 1832 ordnete Präsident Andrew Jackson die Vertreibung der Indianerstämme aus dem Südosten der Vereinigten Staaten an. Die Muskogee wurden damals zusammen mit den Chickasaw, den Choctaw und den Cherokee umgesiedelt. Wir legten den ganzen langen Weg zum „Indianerterritorium“ zu Fuß zurück. In der offiziellen Geschichtsschreibung wird diese Umsiedlung erwähnt, niemals erwähnt werden jedoch die Emotionen, die für mein Volk damit verbunden waren, was es zurücklassen musste und welche Strapazen ihm abverlangt wurden.Es war eine Zwangsumsiedlung, man ließ uns keine Wahl. Als mein Volk sich weigerte, die angestammten Behausungen zu verlassen, rissen die Soldaten ein kleines Kind aus den Armen seiner Mutter und schlugen es mit dem Kopf gegen einen Baum. Dann sagten sie: „Geht, oder wir machen es mit allen Kindern hier“. (..) Die Indianer gingen den gesamten Weg zu Fuß, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, vorwärtsgetrieben von berittenen Soldaten. Man ließ ihnen nicht einmal Zeit die Alten, die unterwegs starben ordentlich zu bestatten. Viele unserer geliebten Brüder und Schwestern wurden in Schluchten zurückgelassen. (…) Das sind nur einige wenige Beispiele dafür, was mein Volk erdulden musste. Und dennoch beten viele von uns auch heute noch für die gesamte Menschheit, für Schwarze, Gelbe, Rote, Weiße. Wie kann mein Volk trotz einer derartigen Geschichte nur so viel Liebe aufbringen?“ 

Das Leben ist ein Spiel – Spiele es, geniesse es, liebe es!

Foto: Leelaleelagamefoto.jpg 

Das Leben ist ein Spiel, das perfekteste aller Spiele!Es beansprucht uns vollkommen, durchströmt unaufhörlich jede Zelle unseres Körpers, füllt mit jedem Atemzug unsere Lungen, wir berühren es mit jedem Blick. Es ist so wirklich, dass es uns vor Schmerz aufheulen lassen kann und vor Glück Berge erklimmen – und das manchmal unmittelbar nacheinander. Second Life ist ein Witz dagegen.  Das Leben lässt uns aber auch vergessen wer wir wirklich sind. Wir werden in eine bestimmte Familie mit bestimmten Werten hineingeboren, leben in einem bestimmten Land, ergreifen einen bestimmten Beruf. Nach und nach identifizieren wir uns mit den Rollen, die wir spielen. Es hätte aber auch ein anderes Land sein können, eine andere Geschichte. 

Was bleibt wenn wir alle diese vorübergehenden Identitäten ablegen?  Spiel des Lebens. Wer es erkennt, schreitet leichtfüßig und losgelöst durch das Labyrinth der Möglichkeiten; ohne nach hinten zu blicken ohne voraus zu denken.  

Aber worum geht es eigentlich in diesem Spiel? Dieser Blog ist ganz dem Leben mit all seinen Facetten gewidmet. Dieses Spiel des Lebens oder „das göttliche Spiel“ ist den Indern seit Tausenden von Jahren als „Leela“ (Sanskrit) bekannt.